Beitrag vom 23. September 2019

Vorwort zum Monat Oktober 2019

Liebe Gemeinde!

Am ersten Sonntag im Monat Oktober feiern wir jedes Jahr das Erntedankfest. Dessen Nameerklärt schon, warum es geht: Wir danken für die Ernte des Jahres, wir danken für unser tägliches Brot.
Vor der Ernte steht – eine Binsenweisheit – die Aussaat. So selbstverständlich das ist,

so schnell wird es auch von manchen vergessen, denen Gartenarbeit und Landwirtschaft fremd sind. Deshalb sollte der Erntedanksonntag auch ein Anlass sein, denen zu danken, die für unsere Nahrung sorgen. Überhaupt sollen die Grenzen des Dankes nicht zu eng gezogen werden. Was brauchen wir – außer Lebensmitteln – nicht alles für unser Leben!
Doch bleiben wir einmal bei der Aussaat.
Dass vor der Ernte die Aussaatsteht, gilt auch für Kirche und Gemeinde sowie im Glauben. Wobei nicht so offensichtlich ist , was hier Ernte bedeutet. Ob ein Mensch gläubig ist, ob er versucht, aus dem Glauben zu leben, ist nicht so offensichtlich wie ein Baum voller Früchte oder ein Feld mit reifen Ähren.
Dennoch möchte ich mich auf das beschränken, was „sichtbar“ ist: der Gottesdienstbesuch, der Empfang der Sakramente, das Engagement in der Gemeinde. Oft wird hier die Klage laut, dass die Ernte in diesem Bereich kärglich ist. Seltener ist die Frage, wie denn die Aussaat gewesen ist. Sicher ist die Verkündigung des Glaubens ein ebenso mühsames Geschäft wie die Aussaat im Garten und auf dem Feld. Den Menschen immer wieder nachzugehen ist genauso anstrengend wie die Pflege noch junger Pflanzen.
Daher schlage ich vor, es mit dem Dichter Matthias Claudius zu halten, der in seinem Erntelied schreibt: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ Was Matthias Claudius auf die Natur hin dichtet, gilt meiner Ansicht nach auch für den Glauben. Säen wir großzügig und unverdrossen, „doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ 

Ihr
Pfarrer Thomas Witzel

Beitragsfoto: R. Schwarz