Beitrag vom 25. Januar 2019

Vorwort zum Monat Februar

Liebe Gemeinde!
„Mit Whisky erreiche ich die Männer“, sagt Pfarrer Thomas Eschenbacher von der Pfarreiengemeinschaft im Hammelburger Land. Er möchte mit Männern seiner großen Gemeinde ins Gespräch kommen und ahnt, dass das mit Bibelstunden eher weniger gelingt. Aber mit Whisky. Und weil der Pfarrer selbst ein guter Whiskykenner ist, lud er vor kurzem zu „geistlichen Übungen“ (Exerzitien) mit Whiskyverkostung ein. Fünf Whiskysorten sollten probiert werden. Der Pfarrer selbst wollte vor jeder Probe ein biblisches Wort vortragen, über das dann zum Gespräch eingeladen wird. Eine der Whiskysorten sollt schweigend probiert werden.
„Ich weiß auch nicht“, sagt Pfarrer Eschenbacher, „was dabei herauskommt und ob das Konzept wirklich passt.“ Aber einen ersten Erfolg konnte er schon verbuchen. Die 30 Plätze der Whiskyverkostung waren schnell ausgebucht.
Es ist kein Geheimnis, dass heute Mission und Glaubensweitergabe auf den alten Pfaden immer weniger gelingt. Die Zeiten und die Interessen der Menschen ändern sich, und das viel schneller als vor 30 oder 50 Jahren. Unsere Kirche braucht tatsächlich neue Ideen, um Menschen anzusprechen, die keinen rechten Zugang mehr finden zu den gewohnten Formen, in denen die Frohe Botschaft oft dargeboten wird. Tatsächlich ist viel Phantasie gefragt, um Menschen mit der Botschaft vom Heil in einer unheilen Welt zu erreichen und womöglich zu begeistern.
Ob Whiskyproben dazugehören, ist schwer zu beurteilen. Vielleicht hätte Jesus gelächelt – schließlich war er kein Kostverächter. Und er trank Wein, wie wir wissen. Im Übrigen wird der Whisky bei einer Verkostung nicht getrunken, sondern eher geschmeckt. Und die Begleitung eines biblischen Wortes könnte durchaus dem Nachdenken und so einer Vertiefung des Lebens dienen.
Es geht ja auch nicht so sehr um die Form, als vielmehr um den Ernst, mit dem eine Sache gestaltet wird. Wenn Pfarrer Eschenbach davon durchgedrungen ist, dann ist der Ernst gegeben – und die Freude der Männer vermutlich auch. Dann liegt im Ernst an der Sache auch das nötige Vertrauen zu unserem Herrn, der uns zugesagt hat: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Pfarrer Thomas Witzel

Beitragsfoto: R. Schwarz