Beitrag vom 22. Januar 2020

Vorwort zum Monat Februar 2020

Herzlichen Glückwunsch! Ihnen, ja uns allen wird im Monat Februar ein Tag geschenkt.

Julius Cäsar sei Dank, der schon im Jahre 46 v. Chr. im Julianischen Kalender alle vier Jahre einen Schalttag vorsah, der an den 28. Februar angehängt wird. Auch Papst Gregor XIII. sei Dank, dass er 1582 den Schalttag nicht abschaffte. Beschloss er doch im Gregorianischen Kalender, dass die Schalttage in vollen Jahrhunderten ausfallen sollten, nur nicht in den Jahrhunderten, die durch 400 teilbar sind.

Doch genug mit der Geschichte. Ein geschenkter Tag liegt vor uns. Was machen wir damit?

Damit fangen die Probleme an. Wir sind es nicht gewohnt, dass uns Zeit geschenkt wird. Die Sprache verrät es schon. Wir kennen nur Ausdrücke, die den Verlust von Zeit beklagen: „Stiehl mir nicht die Zeit!“ So sagen viele. Und selbst wenn wir über so viel Zeit verfügen, dass Langeweile aufkommt, dann meinen wir, „die Zeit totschlagen“ zu müssen.

Aber was fangen wir mit dem 29. Februar 2020 an? Alle, die arbeiten gehen, haben es an diesem Samstag einfach. Ihnen – oder ihren Arbeitgebern, je nach dem wie man es sehen möchte – wird ein Tag (oder auch ein Vormittag) Arbeitszeit geschenkt.

Doch noch einmal gefragt: Was fangen wir mit diesem Tag an? Geschenkte Zeit macht nämlich hilflos , obwohl unsere gesamte Lebenszeit eine geschenkte Zeit ist, nämlich eine von Gott geschenkte Zeit. Doch so sehen es die allerwenigsten. Vielmehr wird die eigene Zeit als Eigentum angesehen, die jemand mir stehlen kann, und mit der ich sparsam umgehen muss, die wertvoll ist. Zeit ist Geld. Meine Zeit ist mein Schatz, die ich hüten muss. So denken viele. Stress und Hektik bringt auch die Angst mit sich, von meinem Zeitschatz etwas wegzugeben, ohne einen Gegenwert – beispielsweise in Form einer

erledigten Arbeit oder schön erlebter Stunden – zu bekommen . Deshalb macht uns Langeweile so unglücklich, weil wir den Verlust von Zeit erfahren, ohne einen Gegenwert zu empfangen. Wenn ich Zeit als Eigentum betrachte, ist es mit ihr wie mit dem Leid: Geteilte Zeit ist halbe Zeit.

Wie befreiend ist dagegen, Zeit nicht als Eigentum , sondern als Geschenk zu empfinden. Da muss ich nichts verteidigen, sondern darf dankbar annehmen. Da muss ich nicht haushalten, sondern darf freudig ausgeben. Mit der Zeit ist es dann wie mit der Freude. Wenn ich Zeit teile, vermehrt sie sich: Geteilte Zeit ist doppelte Zeit.

Natürlich kann mir auch der Umgang mit der geschenkten Zeit nicht gleichgültig sein . Ich muss mir Rechenschaft ablegen, wie ich die Zeit ausfülle. Das bin ich Gott schuldig, der mir die Zeit geschenkt hat. Das ist mein Dank an ihn. Aber ich muss nicht eifersüchtig über meine Zeit wachen. Im Gegenteil. Der schönste Dank für das Geschenk der Zeit ist es, wenn ich sie mit anderen Menschen teilen darf.

Und was mache ich nun mit dem 29. Februar? Ich bin dankbar für die mir an diesem Tag geschenkte Zeit. Und wenn ich für die Zeit dankbar bin, dann teile ich sie mit anderen Menschen. Wie wäre es, an diesem Tag das lange aufgeschobene Telefonat zu führen? Oder wie schon lange nicht mehr mal einen Brief zu schreiben? Wie wäre es, die Ehepartnerin/ den Ehepartner mit einem freien Abend zu überraschen? Wie wäre es, die Bibel mal wieder in die Hand zu nehmen? Es gibt viele gute und sinnvolle Möglichkeiten für diese geschenkte Zeit.

Auf alle Fälle aber rate ich: Machen Sie sich und anderen die geschenkte Zeit des 29. Februar zum Geschenk!

Ihr

Pfarrer Thomas Witzel