Beitrag vom 22. Dezember 2021

Vorwort Weihnachten und Februar 2022

Liebe Gemeinde,
liebe Leserinnen und Leser dieses Weihnachtspfarrbriefes!

Das göttliche Kind ist auf die Erde gefallen. Buchstäblich. Keine gut gepolsterte Krippe nimmt es auf, kein mütterlicher Arm trägt es, kein weiter Mantel hält es warm. Nackt und allen Elementen ausgeliefert liegt das Kind da, nur notdürftig beschirmt vom Flügel eines kleinen Engels.

Der göttliche Vater ist weit weg, auch Maria, die Mutter, bleibt auf Distanz. Und von Josef ist überhaupt nichts zu sehen. Das Kind am Boden wird nur getragen durch die zärtlichen Blicke seiner Mutter und durch die leuchtenden Strahlen vom Himmel, die von Gott, dem
Vater, ausgehen und dick wie Seile sind. Dies zeigt: Das Kind ist ausgesetzt, aber allein ist es nicht.

Ein Künstler aus dem späten Mittelalter, Meister Francke, ein Dominikanermönch aus Zutphen, hat das Gemälde nach 1424 geschaffen, das auf der Vorderseite dieses Pfarrbriefes abgebildet ist. Meister Francke stellte in das Zentrum seines Werkes die Gottesmutter Maria und ihr Bekenntnis: „Dominus meus et Deus meus.“ Mein Herr und
mein Gott.

Gesagt hat Maria diese Worte nie, die der Maler als Spruchband wie eine mittelalterliche Sprechblase gestaltet hat. Diese Worte mein Herr und mein Gott stammen vielmehr vom Apostel Thomas. Der Maler hat diese Worte aber hier gewählt, weil er dieses Altarbild für eine Hamburger Kaufmannschaft geschaffen hat, die den heiligen Thomas von Canterbury als ihren Schutzpatron verehrte.

Abgesehen von dieser historischen Gegebenheit sind die Worte des Apostel Thomas überaus bedeutsam: Es ist sein österliches Bekenntnis zu Jesus Christus nach dessen Auferstehung. Thomas bekennt: Christus ist der Herr und Gott, ein Messias ganz anderer Art.

Und dieses Geheimnis erkennt auch Maria in dem Kind, das vor ihr liegt. Es ist ein Geschenk Gottes, das auf die Welt gekommen ist. Und so betet sie an, was ihr nicht gehört. Denn Gott ist unverfügbar und liefert sich dennoch uns Menschen aus. Er kommt in Jesus Christusum unsere Welt zu erlösen. Dass er sich nicht zu schade war, in alle
unser Menschsein bis hinein in den Tod am Kreuz zu teilen, das feiern wir an Weihnachten.
Oder um es mit dem Lied „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ (Gl 247) auszudrücken: „Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein; er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein, in einem Krippelein, entäußert sich all seiner Gewalt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding, 
der Schöpfer aller Ding.“

Wir wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen ein frohes, gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest, einen guten Beschluss des alten Jahres und Gottes Segen und Geleit für das kommende Jahr.

Ihre

Th. Witzel, Pfarrer


Rebecca Dechant, Gemeindereferentin

Karin Seidl, Pfarrsekretärin