Beitrag vom 17. März 2018

Vorwort Osterpfarrbrief 2018

Liebe Gemeinde!
Liebe Leserinnen und Leser dieses Osterpfarrbriefes!
Als der Mönch und Künstler Fra Angelico im Dominikanerkloster San Marco in Florenz lebte, bekam er einen ganz besonderen Auftrag: Nicht nur die Gemeinschaftsräume, sondern auch jede einzelne Zelle sollte ein Fresko erhalten.
Damals hatte ein Mönch wohl nur einen Tisch und einen Stuhl, einen Betschemel und ein Bett. Und nun bekam jeder ein Bild – sein Bild. Ob Fra Angelico wusste, welcher Bruder welches Bild brauchte?
Für den Bruder in Zelle 8 malten Fra Angelico und sein Lehrling den Auferstandenen mit den Frauen am leeren Grab. Wie in den anderen Zellen platzierte der Meister das Fresko an der Außenwand. Diese hat somit zwei Fenster: eines in die irdische Welt und ein zweites, größeres in die geistliche Welt.
Beim Aufstehen und beim Schlafengehen, bei der Schriftlesung und beim Gebet, jahrein, jahraus lebte nun der Bruder in Zelle 8 mit diesem Bild. Mit den Frauen, die frühmorgens mit verweinten Augen zum Grab Jesu kommen und den Leichnam salben wollen. Aber dort treffen sie auf einen Mann in Weiß. Der Künstler malt ihn als Engel. Dieser weist mit der einen Hand nach unten. „Er ist nicht hier!“ Und mit der anderen Hand weist er nach oben: „Er ist auferstanden!“
Eine Frau hat sich von den anderen abgesetzt, ist ihnen äußerlich und innerlich „voraus“: Sie stützt sich aufs Grab, schaut hinein – und hält sich die andere Hand vor die Augen, als würde sie geblendet. Beginnt sie schon zu ahnen, dass da schier Unfassbares geschehen ist?
Der Auferstandene ist da, aber nicht greifbar: Nebelschleier trennen die Welt der Frauen von seiner stahlenden Herrlichkeit. Und doch sucht dieser Auferstandene – als einziger in diesem Bild – den Blickkontakt mit dem Betrachter. Er schaut mich an, er lädt mich ein, den Blick zu heben über all das hinaus, was in der Welt und in meinem Leben zum Weinen und kaum zum Aushalten ist. Werde ich den Weg der Frauen mitgehen? Sie sind auf den Weg ins Licht, das durch dieses zweite Fenster in die Klosterzelle fällt – und den Menschen österlich zu verwandeln vermag.
Schauen sie doch, wie glücklich der Mönch links unten ist! Er hat offensichtlich gefunden, was für das Leben gut ist und für immer glücklich macht. Ein Bild fürs Leben. Ein Bild neuen Lebens. Ein Bild österlichen Lebens.
Ich wünsche Ihnen schon heute ein frohes und gesegnetes Osterfest. Gleichzeitig lade ich Sie herzlich ein zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen unserer Pfarrgemeinde, über die dieser Osterpfarrbrief Sie informieren möchte.

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Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Pfr. Thomas Witzel