Beitrag vom 28. Oktober 2020

Vorwort November 2020

Liebe Gemeinde,
liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Vor einigen Jahren erzählte mir eine Frau, dass sie eine schwere Krankheit in sich trägt, die zum Tode führen wird. Natürlich sei sie über diese Auskunft ihres Arztes aufs Tiefste erschrocken gewesen; natürlich habe sie eine Phase der Besinnung benötigt, um sich
wieder zu fangen; natürlich sei sie dankbar für mein Angebot, sie in besonderer Weise in das Gebet einzuschließen, und für den Hinweis darauf, dass solches Leid nur im Glauben getragen werden könne.
Aber dann kam das unvermutete, unbeschreiblich demütig gesprochene Wort: „Ich bin viel zu religiös, als dass ich verzweifeln würde.“
Wie hoffnungslos klingen dagegen manche Todesanzeigen: „In unserem Herzen ist es dunkel geworden“; „Wie soll es weitergehen ohne dich?“; „Warum?“ Ganz sicher drücken solche Worte eine tiefe und sehr innige Beziehung zu den Verstorbenen aus; dennoch
bleiben sie ohne Perspektive. Wie anders klingen dagegen die Worte, die einstmals der unvergessene Papst Johannes XXIII. gesagt hat: „Tausend Ängste können die Hoffnung nicht zerstören.“
Wir dürfen dem Tode nicht ausweichen, weil er zum Leben gehört. Deshalb ist es gut, wenn uns die Kirche im Monat November an die Verstorbenen erinnert, aber auch unseren Blick auf unseren eigenen Tod lenkt. Nichts ist gewisser als der Tod. Obwohl das niemand bezweifelt und es keine Generation gegeben hat, die durch die Massenmedien mehr mit dem Tod konfrontiert wurde als die unsrige, wird er vielfach aus unserem Bewusstsein verdrängt.
Doch dies brauchen wir nicht; denn wir haben einen, auf den wir absolut unser Vertrauen setzen dürfen: auf Gott. Wer auf ihn vertraut, hat auch die Fähigkeit, loszulassen und sich auf eine allerletzte Wirklichkeit einzulassen.
Wie schreibt doch der Apostel Paulus in seinem 2. Brief an seinen Schüler Timotheus: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erwarten warten.“

Herzliche Grüße
Ihr
Th. Witzel, Pfarrer

Es grüßen ebenfalls herzlich
Rebecca Dechant                                                                         Karin Seidl
Gemeindereferentin                                                                      Pfarrsekretärin

Beitragsbild: R. Schwarz