Beitrag vom 24. Januar 2021

Vorwort Februar 2021

Liebe Gemeinde!
liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Stellen Sie sich bitte einmal folgende Situation vor: Ein Student bekommt eine gute Note, bevor er seine Hausarbeit abgegeben hat. Das geht doch nicht, mögen Sie jetzt vielleicht denken. Das ermuntert doch nur zur Bequemlichkeit. Ein anderes Beispiel: Würden Sie
einer Baufirma die gesamte Summe für ein neues Haus überweisen, bevor auch nur die Baugrube ausgehoben worden ist? Wohl kaum. Ein letztes Beispiel: Sie erhalten einen hohen Kredit, obwohl Sie überhaupt keinerlei Sicherheit vorzuweisen haben. Was halten Sie von einem solchen Kreditgeber? Er handelt fahrlässig, denken Sie jetzt vielleicht.
Genauso aber handelt Gott. Er gibt ohne Gegenleistung eine gute Note. Er riskiert es, übers Ohr gehauen zu werden wie der Bauherr, der die Firma vor dem ersten Spatenstich bezahlt. Er gibt fahrlässig einen hohen Kredit ohne entsprechende Sicherheit. Denn so sagt es der Apostel Paulus im Römerbrief (5,8): „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“.
Es ist etwas Ungeheuerliches, das der Apostel Paulus hier sagt: Das Wagnis, das Gott mit uns Menschen eingegangen ist und immer wieder neu eingeht, ist, dass wir Menschen seine Liebe unbeantwortet lassen können, selbst die Liebe, die Jesus Christus uns am
Kreuz erwiesen hat. Denn Gottes Liebe ist bedingungslos. Obwohl sich die Menschen immer wieder von ihm abgewandt haben, erwartet er keine Vorleistung. Seine Liebe kennt kein Wenn und Aber.
Kann ich das glauben, obwohl menschliches Miteinander oft ganz anders aussieht, Liebe an Bedingungen gebunden ist und enttäuschte Liebe sich oft abwendet? Und wenn ich es glauben kann, was bedeutet es für mein Leben?
Zunächst einmal, dass ich mich so akzeptieren kann, wie ich bin, und auch andere akzeptiere und nicht verurteile. Und das Zweite ist, dass ich mir Gottes Liebe zum Vorbild nehme, damit mein Wenn und Aber, das so oft der Liebe im Wege steht, kleiner wird. Weil
Gott mich so sehr liebt, kann es auch mir leichter fallen, selbst andere zu lieben.
Haben Sie sich die Vorderseite dieses Pfarrbriefes angesehen? Zwischen dem Kreuz und dem Zeichen für das Herz, also für die Liebe steht ein Gleichheitszeichen. Das heißt: Am Kreuz zeigt sich Gottes bedingungslose Liebe.

Herzliche Grüße
Ihr
Th. Witzel, Pfarrer

Es grüßen ebenfalls herzlich

Rebecca Dechant
Gemeindereferentin

Karin Seidl
Pfarrsekretärin

Foto: R. Schwarz