Beitrag vom 22. November 2019

Vorwort Dezember 2019

Liebe Gemeinde!
Viele Menschen wünschen sich eine besinnliche Adventszeit. Ruhe und Besinnlichkeit gelten als wichtigste Merkmale für einen gelungenen Advent.Zugleich machen viele Menschen eine grundlegend andere , gegensätzliche Erfahrung: So vieles ist zu erledigen – im Beruf die abschließenden Arbeiten des zu Ende gehenden Jahres; im Privaten die vielen Vorbereitungen für das Weihnachtsfest . Auch der Terminkalender ist spürbar voller als in anderen Monaten des Jahres. Enttäuschung macht sich da breit; die Erfahrung, es wieder mit der Ruhe nicht geschafft zu haben.Schaue ich in die Lesungen und Evangelien des Advents, so ist dort ni

gends von Ruhe  und Besinnlichkeit die Rede. Ob nun beim Propheten Jesaja oder bei Johannes dem Täufer – viel ist da von Aufbruch und von Wegen, die zu gehen sind, die Rede. Ja, Gott selber ist in Bewegung. Er kommt zur Erde, wird Mensch und wird am Ende der Zeiten wiederkommen. Advent heißt ja „ A n k u n f t “ . Auch das adventliche Thema von der Wiederkunft des Herrn lässt keinen Raum für Ruhe und Besinnlichkeit. Sind also etwa die rastlosen Menschen dieser Tage die „adventlicheren“ Menschen?Ich will es so sagen: Meiner Meinung macht es keinen Sinn, sich in diesen Tagen „Besinnlichkeits – Stress“ und „Vorbereitungsstress“ zu machen. Vielmehr lädt das Kind in der Krippe zum Umdenken ein. Es schließt niemanden aus. Bei ihm sind alle willkommen – die Besinnlichen und die Gestressten, die mit sich Unzufriedenen und die Unfertigen . Gott kommt in diese Welt, wohl wissend, dass ich mit dem Arbeiten nicht fertig bin.

Dem in einem Stall Geborenen ist Perfektionismus fremd. Also müssen auch mein Advent und mein Weihnachten nicht perfekt sein. So wie ich bin, bin ich an der Krippe willkommen und darf zur Ruhe kommen.

Ihr Pfarrer
Thomas Witzel
Beitragsfoto: R.Schwar