Beitrag vom 17. Dezember 2019

Vorwort Dezember 2019

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser dieses Weihnachtspfarrbriefes!

Nur Mutter und Kind . Ein lebhaftes, kräftiges Kind. Und eine stille, beinahe entrückte Mutter. Jung ist sie, zart, mit schlanken Händen und einem Gesicht wie gemalt. Die Geburt scheint sie nicht erschöpft zu haben. Und das Kind sieht auch schon so aus, als sei es für das Leben bereit. Nur Mutter und Kind in stiller Versenkung – worein?

Manchmal malt sich das Leben schöner , als es ist. Vor allem, wenn das Bedrückende vorbei ist. Dann bekommt auch das Elende manchmal einen leichten Glanz. Den Glanz, es überstanden zu haben. So wird es Maria jetzt gehen.

Vorher war es alles andere als glänzend. Eine junge, unverheiratete Frau wird schwanger. Josef, ihr Verlobter, weiß von nichts und will sich von ihr trennen. Es brauchte einen Wink des Himmels – und Josef blieb. Dann die Wanderschaft nach Betlehem, hochschwanger, der Stall als Heimat. Das alles ist keine Tragödie, aber schön ist es auch nicht. Jetzt aber ist es geschafft mit der Hilfe Gottes und der Menschen. Da darf man ruhig etwas Glanz auftragen. Und man darf Maria kleiden wie eine junge Königin, die sie wohl nie war in ihrem Leben, zumindest äußerlich.
Innerlich dagegen schon. Es war etwas an ihr, das sie königlich erscheinen lässt. Eine eigene Art von Weisheit. Es ist Weisheit des Annehmens. Ob Maria alles verstanden hat: den Engel Gabriel, der ihre Auserwähltheit verkündet und die Geburt des Sohnes Gottes; ihren Verlobten Josef, der zweifelnd auf alles schaut; die Hirten und die Könige, die das Kind in der Krippe anbeten? Wahrscheinlich versteht Maria nicht alles, aber sie nimmt es an: Wenn es Gottes Wille ist, dann ist es und wird es gut. Das ist Weisheit: Gott sprechen zu lassen und dann seinen Worten zu folgen.
Marias Weisheit ist ihr Vertrauen. Manchmal kann man nichts tun. Man fühlt sich ausgeliefert dem, was Gott will oder nicht verhindert. Man sitzt und grübelt oder weint oder klagt. Und hofft trotzdem. Das ist Weisheit. Weisheit ist hoffen gegen das, was vor Augen ist und auf der Seele liegt. Dahin muss man kommen. Wie Maria.
Als der Engel zu ihr tritt und ihr das Unfassbare ankündigt, sind dies ihre Worte: Mir geschehe. Nicht als blindes Schicksal sieht Maria ihr Geschick, sondern als Gottes Wille. Und was Gott will, wird gut. Früher oder später. Weise ist, wer so denken, glauben und hoffen kann wie Maria.
Ich wünsche Ihnen schon jetzt ein frohes, gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest, einen guten Beschluss des alten Jahres, Gottes Segen und Geleit im neuen Jahr und lade Sie herzlich ein zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen unserer Pfarrgemeinde.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Pfr. Thomas Witzel

Foto: H.Röder