Beitrag vom 24. November 2018

Vorwort Dezember 2018

Liebe Gemeinde! Liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Viele Menschen wünschen sich eine besinnliche Adventszeit. Ruhe und Beschaulichkeit gelten geradezu als die Merkmale eines „gelungenen“ Advents. Zugleich machen viele Menschen eine grundlegend andere, eine genau gegenteilige Erfahrung in diesen Wochen. So vieles ist noch zu erledigen – im Beruf die abschließenden Arbeiten des zu Ende gehenden Jahres; im Privaten die zahlreichen Vorbereitungen für das Weihnachtsfest. Auch der Terminkalender ist spürbar voller als in den anderen Monaten des Jahres. Da macht sich die Enttäuschung breit, es wieder einmal nicht mit der Ruhe geschafft zu haben.
Schaue ich in die Texte der Bibel, die für die Wochen des Advents vorgesehen sind, so sehe ich: Da ist nirgends von Ruhe und Besinnlichkeit die Rede. Im Gegenteil – egal, ob beim Propheten Jesaja oder bei Johannes dem Täufer: viel lese ich von Aufbruch, von zu gehenden Wegen, von Wegbereitung. Gott selbst ist in Bewegung: er kommt zur Erde, er wird Mensch in Jesus Christus und wird am Ende der Zeiten wiederkommen. Advent heißt schließlich „Ankunft“.
Ich denke, wichtig ist dies: Das Kind von Betlehem, das Sie auf der Titelseite dieses Pfarrbriefes abgebildet sehen, lädt alle Menschen ein und schließt niemanden aus. Bei ihm sind alle willkommen: die Besinnlichen und die Gestressten, die mit sich Unzufriedenen und die Unfertigen. Gott kommt in diese Welt, wohl wissend, dass ich mit der Arbeit nicht fertig bin, dass ich wenig Zeit habe. Dem im Stall zu Betlehem Geborenen ist Perfektionismus fremd. Also müssen auch mein Advent und mein Weihnachten nicht perfekt sein. So wie ich bin, bin ich an der Krippe willkommen und darf dort zur Ruhe kommen.

Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen
Ihr
Pfr. Thomas Witzel

Foto: H.Röder