Aktuelles – Das Wort zum Monat

Beitrag vom 26. Februar 2021

Vorwort März 2021

Liebe Gemeinde!
Liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Als der geniale Albert Einstein am 18. April 1955 im Alter von 76 Jahren in New Jersey verstarb, soll er im Krankenhaus noch ein paar Sätze gesprochen, eher gemurmelt haben, und zwar in seiner deutschen Muttersprache. Im Sterbezimmer war eine Krankenschwester anwesend, die nur Englisch sprach. Schade! Was hätte uns dieser kluge Mann noch an letzten Worten mitgeben können!
Es gibt manche Menschen, von denen man sagt, dass sie immer „das letzte Wort“ haben müssen. Oft nennt man sie auch „notorische Besserwisser“. Anders ist es in der Bibel. Im Buch der Bücher sind letzte Worte gewichtig, voll von Hoffnung und Freude, von Jesus Christus gesprochen oder von Gottes Geist inspiriert. Im Neuen Testament steht am Ende des Matthäusevangeliums die Zusage Jesu: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Bei Markus heißt es: „Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiten.“ Am Schluss des Lukasevangeliums lesen wir von den Aposteln: „Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.“ Am Ende des Johannesevangelium heißt es: „Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles einzeln aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die dann geschriebenen Bücher nicht fassen.“ Und am Ende des Neuen Testamentes, gleichzeitig auch am Schluss der Bibel, heißt der letzte Satz der Offenbarung des
Johannes: „Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!“ Letzte Worte, Hoffnung für alle. Niemand soll ohne Gnade – ohne seine Gnade – sein. Welch ein Trost, welch eine Hoffnung.

Herzliche Grüße
Ihr
Th. Witzel, Pfarrer

Es grüßen ebenfalls herzlich

Rebecca Dechant
Gemeindereferentin

Karin Seidl
Pfarrsekretärin

Foto: H. Röder

Beitrag vom 24. Januar 2021

Vorwort Februar 2021

Liebe Gemeinde!
liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Stellen Sie sich bitte einmal folgende Situation vor: Ein Student bekommt eine gute Note, bevor er seine Hausarbeit abgegeben hat. Das geht doch nicht, mögen Sie jetzt vielleicht denken. Das ermuntert doch nur zur Bequemlichkeit. Ein anderes Beispiel: Würden Sie
einer Baufirma die gesamte Summe für ein neues Haus überweisen, bevor auch nur die Baugrube ausgehoben worden ist? Wohl kaum. Ein letztes Beispiel: Sie erhalten einen hohen Kredit, obwohl Sie überhaupt keinerlei Sicherheit vorzuweisen haben. Was halten Sie von einem solchen Kreditgeber? Er handelt fahrlässig, denken Sie jetzt vielleicht.
Genauso aber handelt Gott. Er gibt ohne Gegenleistung eine gute Note. Er riskiert es, übers Ohr gehauen zu werden wie der Bauherr, der die Firma vor dem ersten Spatenstich bezahlt. Er gibt fahrlässig einen hohen Kredit ohne entsprechende Sicherheit. Denn so sagt es der Apostel Paulus im Römerbrief (5,8): „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“.
Es ist etwas Ungeheuerliches, das der Apostel Paulus hier sagt: Das Wagnis, das Gott mit uns Menschen eingegangen ist und immer wieder neu eingeht, ist, dass wir Menschen seine Liebe unbeantwortet lassen können, selbst die Liebe, die Jesus Christus uns am
Kreuz erwiesen hat. Denn Gottes Liebe ist bedingungslos. Obwohl sich die Menschen immer wieder von ihm abgewandt haben, erwartet er keine Vorleistung. Seine Liebe kennt kein Wenn und Aber.
Kann ich das glauben, obwohl menschliches Miteinander oft ganz anders aussieht, Liebe an Bedingungen gebunden ist und enttäuschte Liebe sich oft abwendet? Und wenn ich es glauben kann, was bedeutet es für mein Leben?
Zunächst einmal, dass ich mich so akzeptieren kann, wie ich bin, und auch andere akzeptiere und nicht verurteile. Und das Zweite ist, dass ich mir Gottes Liebe zum Vorbild nehme, damit mein Wenn und Aber, das so oft der Liebe im Wege steht, kleiner wird. Weil
Gott mich so sehr liebt, kann es auch mir leichter fallen, selbst andere zu lieben.
Haben Sie sich die Vorderseite dieses Pfarrbriefes angesehen? Zwischen dem Kreuz und dem Zeichen für das Herz, also für die Liebe steht ein Gleichheitszeichen. Das heißt: Am Kreuz zeigt sich Gottes bedingungslose Liebe.

Herzliche Grüße
Ihr
Th. Witzel, Pfarrer

Es grüßen ebenfalls herzlich

Rebecca Dechant
Gemeindereferentin

Karin Seidl
Pfarrsekretärin

Foto: R. Schwarz

Beitrag vom 20. Dezember 2020

Vorwort Weihnachten 2020

Liebe Gemeinde,
liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Seit dem März dieses Jahres hat sich durch die Corona-Pandemie unser Leben stark verändert. Das wird auch in der Adventszeit nicht anders sein. Und auch nicht an Weihnachten und in der Weihnachtszeit.
Viele schöne Bräuche müssen entfallen, etliche Feiern werden nicht stattfinden können. Anderes muss einen anderen, ja neuen Rahmen bekommen. Und: ich denke, dass die Advents- und Weihnachtszeit ein ganzes Stück stiller sein wird als sonst – und damit ein ganzes Stück ursprünglicher.
Eines ist dabei trotz allem gewiss: Gott hat mit der Geburt Jesu Christi ein Zeichen der Hoffnung in die Welt gesetzt. Dieses Hoffnungszeichen brauchen wir nicht nur in der Advents- und Weihnachtszeit dringender als sonst, sondern das ganze Jahr über.
Übrigens: nicht nur in diesem Jahr wird Advent und Weihnachten ein anderes Gesicht haben als sonst. Auch vor über 2000 Jahren geschah das Kommen des Messias ganz anders als es viele Menschen erwarteten. Nicht in Macht und Herrlichkeit geschah das Kommen des Messias, sondern in einem kleinen wehrlosen Kind. Nicht am Zentrum der Macht, in Jerusalem am Hof des Königs oder im Tempel geschah es, sondern in einer armseligen Krippe in Stall zu Betlehem.
Ich lade Sie ein, sich in dieser außergewöhnlichen Adventszeit auf das Kommen unseres Herrn vorzubereiten und auch an den besonderen geistlichen Angeboten unserer Pfarrgemeinde teilzunehmen, die Ihnen in diesem Pfarrbrief vorgestellt werden.

Herzliche Grüße
Ihr
Th. Witzel, Pfarrer

Es grüßen ebenfalls herzlich
Rebecca Dechant
Gemeindereferentin

Karin Seidl
Pfarrsekretärin

Foto: H.Röder

Beitrag vom 28. Oktober 2020

Vorwort November 2020

Liebe Gemeinde,
liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Vor einigen Jahren erzählte mir eine Frau, dass sie eine schwere Krankheit in sich trägt, die zum Tode führen wird. Natürlich sei sie über diese Auskunft ihres Arztes aufs Tiefste erschrocken gewesen; natürlich habe sie eine Phase der Besinnung benötigt, um sich
wieder zu fangen; natürlich sei sie dankbar für mein Angebot, sie in besonderer Weise in das Gebet einzuschließen, und für den Hinweis darauf, dass solches Leid nur im Glauben getragen werden könne.
Aber dann kam das unvermutete, unbeschreiblich demütig gesprochene Wort: „Ich bin viel zu religiös, als dass ich verzweifeln würde.“
Wie hoffnungslos klingen dagegen manche Todesanzeigen: „In unserem Herzen ist es dunkel geworden“; „Wie soll es weitergehen ohne dich?“; „Warum?“ Ganz sicher drücken solche Worte eine tiefe und sehr innige Beziehung zu den Verstorbenen aus; dennoch
bleiben sie ohne Perspektive. Wie anders klingen dagegen die Worte, die einstmals der unvergessene Papst Johannes XXIII. gesagt hat: „Tausend Ängste können die Hoffnung nicht zerstören.“
Wir dürfen dem Tode nicht ausweichen, weil er zum Leben gehört. Deshalb ist es gut, wenn uns die Kirche im Monat November an die Verstorbenen erinnert, aber auch unseren Blick auf unseren eigenen Tod lenkt. Nichts ist gewisser als der Tod. Obwohl das niemand bezweifelt und es keine Generation gegeben hat, die durch die Massenmedien mehr mit dem Tod konfrontiert wurde als die unsrige, wird er vielfach aus unserem Bewusstsein verdrängt.
Doch dies brauchen wir nicht; denn wir haben einen, auf den wir absolut unser Vertrauen setzen dürfen: auf Gott. Wer auf ihn vertraut, hat auch die Fähigkeit, loszulassen und sich auf eine allerletzte Wirklichkeit einzulassen.
Wie schreibt doch der Apostel Paulus in seinem 2. Brief an seinen Schüler Timotheus: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erwarten warten.“

Herzliche Grüße
Ihr
Th. Witzel, Pfarrer

Es grüßen ebenfalls herzlich
Rebecca Dechant                                                                         Karin Seidl
Gemeindereferentin                                                                      Pfarrsekretärin

Beitragsbild: R. Schwarz

Beitrag vom 1. Juli 2020

Vorwort Juli – August

Nimm dir Zeit, um glücklich zu sein. Zeit ist keine Schnellstraße zwischen Wiege und Grab, sondern Platz zum Parken in der Sonne.

Phil Bosmans

Liebe Gemeinde!
Eigentlich hätte der heilige Bernhard von Clairvaux mit seinem
Schüler Bernhard von Pisa zufrieden sein müssen. Dieser war 1145
Papst geworden und nannte sich Eugen III. Als Papst stürzte er sich
in die Arbeit und berichtete seinem geistlichen Vater Bernhard von
Clairvaux von seinen vielen Aktivitäten. Aber der Lehrer fand das
gar nicht gut. Er schrieb deshalb 1148 einen langen Brief, den ich
auszugsweise Ihnen wiedergebe:
„Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen
Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid
mit Dir. Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen
Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst und deshalb Deine
Stirn verhärtest; dass Du Dich nach und nach des Gespürs für
einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst. Es ist
viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen
Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach
an einen Punkt führen, an dem Du nicht landen willst.
Wenn Du ganz und gar für alle da sein willst, nach dem Beispiel
dessen, der allen alles geworden ist, lobe ich Deine
Menschlichkeit – aber nur, wenn sie voll und echt ist. Wie kannst
Du aber voll und echt sein, wenn Du Dich selber verloren hast?
Auch Du bist ein Mensch. Damit Deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst Du also nicht nur für
alle anderen, sondern auch für Dich selbst ein aufmerksames
Herz haben.
Denn, was würde es Dir nützen, wenn Du – nach dem Wort des
Herrn – alle gewinnen, aber als einzigen Dich selbst verlieren
würdest? Wenn also alle Menschen ein Recht auf Dich haben, dann
sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat.
Warum solltest einzig Du selbst nicht von Dir alles haben? Wie
lange bist Du noch ein Geist, der auszieht und nie wieder
heimkehrt? Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine
Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selber? Ja, wer mit sich schlecht
umgeht, wem kann der gut sein?
Denk also daran: Gönne Dich Dir selbst. Ich sage nicht: Tu das
immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer
wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da.“

Was in diesem Brief der heilige Bernhard von Clairvaux vor fast 900
Jahren an seinen Schüler Papst Eugen III. geschrieben hat, gilt
auch heute: Denk auch an dich! Tu nicht so viel! Mach halblang!
Gerade die Zeit der Sommerferien ist eine gute Gelegenheit darür.
Ich wünsche Ihnen, gleich ob Sie wegfahren oder zu Hause bleiben
(vielleicht sogar zu Hause bleiben müssen), eine erholsame und gesegnete Zeit.

Ihr

Thomas Witzel

Pfarrer

Foto: R. Schwarz