Aktuelles – Das Wort zum Monat

Beitrag vom 3. März 2020

Vorwort Monat März

Liebe Gemeinde!

Am Aschermittwoch ist die Zeit der Masken vorbei. Mit dem Eintritt in die Fastenzeit schauen wir zurück und fragen nachdenklich: Warum tragen die Menschen Masken? Wollen sie etwas verbergen? Möchten sie etwas sagen und tun, was sonst schlecht möglich ist? Oder möchten sie einmal der sein, in den sie sich hineinträumen – ein König, ein Clown, eine Tänzerin, eine Prinzessin?

Aber es gibt nicht nur die Karnevalsmasken. Viel schlimmer sind die Masken, die Menschen mitunter ein ganzes Leben lang tragen. Wenn uns die Kirche am Beginn der österlichen Bußzeit, der Fastenzeit, auffordert, die Masken abzulegen, dann ist damit mehr gemeint als die Faschingsmasken, mehr als das trübselige Aussehen beim Verzichten. Vielmehr sind wir eingeladen, uns auf unseren Ursprung zu besinnen, von dem wir kommen, uns an den zu erinnern, dessen Gesicht wir tragen, und zu bedenken, dass wir keine Kopien, sondern Originale sind.

„Werde, der du bist!“ haben die Alten gelehrt. Sie empfanden, dass Menschen im Laufe der Zeit ihr wahres Gesicht verdecken und deshalb Zeiten brauchen, in denen es wieder zum Vorschein kommt. Dieses Gesicht muss lachen, aber auch weinen können und damit zeigen, dass sein Träger am Schicksal der Welt teilnimmt. Masken ablegen heißt somit zweierlei: sich von etwas trennen, was die eigene Originalität verdeckt, und frei werden für andere.

So werden wir in der Fastenzeit eingeladen, durch das Hören der Frohen Botschaft, durch Gebet und Gottesdienst, durch Fasten und Verzicht Gott wieder stärker in unser Leben einzubeziehen. Wir werden aber auch aufgefordert, Armen und Notleidende wieder neu in den Blick zu nehmen und spürbar mit ihnen zu teilen.

Beim Fasten geht es überhaupt mehr um das Du als um das Ich. Indem wir uns einschränken, können wir Hungernden in der Dritten Welt beistehen; in dem wir den Fernseh – und Handykonsum verringern, können wir mehr Zeit für Kranke und Ältere gewinnen; indem wir sensibler werden für die Nöte in unserer Umgebung, können wir eher trösten und helfen.

Wer solche Masken ablegt, wird neue Freude empfinden. Und diese „Freude ist ein Zeichen, dass man dem Licht nahe ist“ (Edith Stein).

Ihr Pfarrer
Thomas Witzel

Beitragsfoto Familiengottesdienst: R. Schwarz

Beitrag vom 22. Januar 2020

Vorwort zum Monat Februar 2020

Herzlichen Glückwunsch! Ihnen, ja uns allen wird im Monat Februar ein Tag geschenkt.

Julius Cäsar sei Dank, der schon im Jahre 46 v. Chr. im Julianischen Kalender alle vier Jahre einen Schalttag vorsah, der an den 28. Februar angehängt wird. Auch Papst Gregor XIII. sei Dank, dass er 1582 den Schalttag nicht abschaffte. Beschloss er doch im Gregorianischen Kalender, dass die Schalttage in vollen Jahrhunderten ausfallen sollten, nur nicht in den Jahrhunderten, die durch 400 teilbar sind.

Doch genug mit der Geschichte. Ein geschenkter Tag liegt vor uns. Was machen wir damit?

Damit fangen die Probleme an. Wir sind es nicht gewohnt, dass uns Zeit geschenkt wird. Die Sprache verrät es schon. Wir kennen nur Ausdrücke, die den Verlust von Zeit beklagen: „Stiehl mir nicht die Zeit!“ So sagen viele. Und selbst wenn wir über so viel Zeit verfügen, dass Langeweile aufkommt, dann meinen wir, „die Zeit totschlagen“ zu müssen.

Aber was fangen wir mit dem 29. Februar 2020 an? Alle, die arbeiten gehen, haben es an diesem Samstag einfach. Ihnen – oder ihren Arbeitgebern, je nach dem wie man es sehen möchte – wird ein Tag (oder auch ein Vormittag) Arbeitszeit geschenkt.

Doch noch einmal gefragt: Was fangen wir mit diesem Tag an? Geschenkte Zeit macht nämlich hilflos , obwohl unsere gesamte Lebenszeit eine geschenkte Zeit ist, nämlich eine von Gott geschenkte Zeit. Doch so sehen es die allerwenigsten. Vielmehr wird die eigene Zeit als Eigentum angesehen, die jemand mir stehlen kann, und mit der ich sparsam umgehen muss, die wertvoll ist. Zeit ist Geld. Meine Zeit ist mein Schatz, die ich hüten muss. So denken viele. Stress und Hektik bringt auch die Angst mit sich, von meinem Zeitschatz etwas wegzugeben, ohne einen Gegenwert – beispielsweise in Form einer

erledigten Arbeit oder schön erlebter Stunden – zu bekommen . Deshalb macht uns Langeweile so unglücklich, weil wir den Verlust von Zeit erfahren, ohne einen Gegenwert zu empfangen. Wenn ich Zeit als Eigentum betrachte, ist es mit ihr wie mit dem Leid: Geteilte Zeit ist halbe Zeit.

Wie befreiend ist dagegen, Zeit nicht als Eigentum , sondern als Geschenk zu empfinden. Da muss ich nichts verteidigen, sondern darf dankbar annehmen. Da muss ich nicht haushalten, sondern darf freudig ausgeben. Mit der Zeit ist es dann wie mit der Freude. Wenn ich Zeit teile, vermehrt sie sich: Geteilte Zeit ist doppelte Zeit.

Natürlich kann mir auch der Umgang mit der geschenkten Zeit nicht gleichgültig sein . Ich muss mir Rechenschaft ablegen, wie ich die Zeit ausfülle. Das bin ich Gott schuldig, der mir die Zeit geschenkt hat. Das ist mein Dank an ihn. Aber ich muss nicht eifersüchtig über meine Zeit wachen. Im Gegenteil. Der schönste Dank für das Geschenk der Zeit ist es, wenn ich sie mit anderen Menschen teilen darf.

Und was mache ich nun mit dem 29. Februar? Ich bin dankbar für die mir an diesem Tag geschenkte Zeit. Und wenn ich für die Zeit dankbar bin, dann teile ich sie mit anderen Menschen. Wie wäre es, an diesem Tag das lange aufgeschobene Telefonat zu führen? Oder wie schon lange nicht mehr mal einen Brief zu schreiben? Wie wäre es, die Ehepartnerin/ den Ehepartner mit einem freien Abend zu überraschen? Wie wäre es, die Bibel mal wieder in die Hand zu nehmen? Es gibt viele gute und sinnvolle Möglichkeiten für diese geschenkte Zeit.

Auf alle Fälle aber rate ich: Machen Sie sich und anderen die geschenkte Zeit des 29. Februar zum Geschenk!

Ihr

Pfarrer Thomas Witzel

Beitrag vom 17. Dezember 2019

Vorwort Dezember 2019

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser dieses Weihnachtspfarrbriefes!

Nur Mutter und Kind . Ein lebhaftes, kräftiges Kind. Und eine stille, beinahe entrückte Mutter. Jung ist sie, zart, mit schlanken Händen und einem Gesicht wie gemalt. Die Geburt scheint sie nicht erschöpft zu haben. Und das Kind sieht auch schon so aus, als sei es für das Leben bereit. Nur Mutter und Kind in stiller Versenkung – worein?

Manchmal malt sich das Leben schöner , als es ist. Vor allem, wenn das Bedrückende vorbei ist. Dann bekommt auch das Elende manchmal einen leichten Glanz. Den Glanz, es überstanden zu haben. So wird es Maria jetzt gehen.

Vorher war es alles andere als glänzend. Eine junge, unverheiratete Frau wird schwanger. Josef, ihr Verlobter, weiß von nichts und will sich von ihr trennen. Es brauchte einen Wink des Himmels – und Josef blieb. Dann die Wanderschaft nach Betlehem, hochschwanger, der Stall als Heimat. Das alles ist keine Tragödie, aber schön ist es auch nicht. Jetzt aber ist es geschafft mit der Hilfe Gottes und der Menschen. Da darf man ruhig etwas Glanz auftragen. Und man darf Maria kleiden wie eine junge Königin, die sie wohl nie war in ihrem Leben, zumindest äußerlich.
Innerlich dagegen schon. Es war etwas an ihr, das sie königlich erscheinen lässt. Eine eigene Art von Weisheit. Es ist Weisheit des Annehmens. Ob Maria alles verstanden hat: den Engel Gabriel, der ihre Auserwähltheit verkündet und die Geburt des Sohnes Gottes; ihren Verlobten Josef, der zweifelnd auf alles schaut; die Hirten und die Könige, die das Kind in der Krippe anbeten? Wahrscheinlich versteht Maria nicht alles, aber sie nimmt es an: Wenn es Gottes Wille ist, dann ist es und wird es gut. Das ist Weisheit: Gott sprechen zu lassen und dann seinen Worten zu folgen.
Marias Weisheit ist ihr Vertrauen. Manchmal kann man nichts tun. Man fühlt sich ausgeliefert dem, was Gott will oder nicht verhindert. Man sitzt und grübelt oder weint oder klagt. Und hofft trotzdem. Das ist Weisheit. Weisheit ist hoffen gegen das, was vor Augen ist und auf der Seele liegt. Dahin muss man kommen. Wie Maria.
Als der Engel zu ihr tritt und ihr das Unfassbare ankündigt, sind dies ihre Worte: Mir geschehe. Nicht als blindes Schicksal sieht Maria ihr Geschick, sondern als Gottes Wille. Und was Gott will, wird gut. Früher oder später. Weise ist, wer so denken, glauben und hoffen kann wie Maria.
Ich wünsche Ihnen schon jetzt ein frohes, gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest, einen guten Beschluss des alten Jahres, Gottes Segen und Geleit im neuen Jahr und lade Sie herzlich ein zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen unserer Pfarrgemeinde.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Pfr. Thomas Witzel

Foto: H.Röder

Beitrag vom 24. Oktober 2019

Vorwort November 2019

Liebe Gemeinde!

Der vorletzte Monat des Jahres, der November, genießt bei vielen Menschen wenig Sympathie: zu viel Verwelken, zu viel Verfall, zu viele Grautöne, zu viele traurige  Gedenktage wie beispielsweise Allerseelen oder der Volkstrauertag . „Ein Monat mit Trauerrand“, so hat ihn jemand einmal genannt.
In der Tat ist der November ein ausgesprochener Herbstmonat, in dem das Wetter sich oft trübe und traurig, unfreundlich und nasskalt, unwirtlich und trist zeigt. Er ist eine Zeit, in der sich die Natur auf den Winter einstellt und das Leben sich buchstäblich in die Wurzeln und in die schützende Erde zurückzieht und sich gleichsam zu „verkriechen“ beginnt. Fast unwillkürlich werden da unsere Ged anken auf das Sterben und auf den Tod gelenkt.
Doch wie wäre es, diese Zeit einmal positiv zu sehen?
In einem Pfarrbrief einer anderen Pfarrgemeinde las ich einmal unter der Überschrift „Herbstliche Chance“ diese kurze Besinnung:

„Der Herbst macht (auch) besinnlich. Er ist sogar ein Meister in der Kunst, unsere Gedanken und Wünsche auf den „Sinn“ zu lenken. Der Herbst nimmt nämlich zurück. Er bremst die tolle Fahrt des Lebens. Im Herbst fallen die Illusionen wie Sommerblätter von den Bäumen, so dass das Wesentliche sichtbar wird: der Stamm, die tragenden Äste. Die Früchte wurden abgegeben und abgeerntet. Nun sammeln sich die Kräfte für den Wintertod, aber auch – für die Auferstehung in ein neues Jahr.“
Ich denke, es ist gut, die Zeit des Novembers einmal von dieser Seite zu betrachten .

Ihr Pfarrer
Thoma Witzel

Beitragsbild: R. Schwarz

Beitrag vom 23. September 2019

Vorwort zum Monat Oktober 2019

Liebe Gemeinde!

Am ersten Sonntag im Monat Oktober feiern wir jedes Jahr das Erntedankfest. Dessen Nameerklärt schon, warum es geht: Wir danken für die Ernte des Jahres, wir danken für unser tägliches Brot.
Vor der Ernte steht – eine Binsenweisheit – die Aussaat. So selbstverständlich das ist,

so schnell wird es auch von manchen vergessen, denen Gartenarbeit und Landwirtschaft fremd sind. Deshalb sollte der Erntedanksonntag auch ein Anlass sein, denen zu danken, die für unsere Nahrung sorgen. Überhaupt sollen die Grenzen des Dankes nicht zu eng gezogen werden. Was brauchen wir – außer Lebensmitteln – nicht alles für unser Leben!
Doch bleiben wir einmal bei der Aussaat.
Dass vor der Ernte die Aussaatsteht, gilt auch für Kirche und Gemeinde sowie im Glauben. Wobei nicht so offensichtlich ist , was hier Ernte bedeutet. Ob ein Mensch gläubig ist, ob er versucht, aus dem Glauben zu leben, ist nicht so offensichtlich wie ein Baum voller Früchte oder ein Feld mit reifen Ähren.
Dennoch möchte ich mich auf das beschränken, was „sichtbar“ ist: der Gottesdienstbesuch, der Empfang der Sakramente, das Engagement in der Gemeinde. Oft wird hier die Klage laut, dass die Ernte in diesem Bereich kärglich ist. Seltener ist die Frage, wie denn die Aussaat gewesen ist. Sicher ist die Verkündigung des Glaubens ein ebenso mühsames Geschäft wie die Aussaat im Garten und auf dem Feld. Den Menschen immer wieder nachzugehen ist genauso anstrengend wie die Pflege noch junger Pflanzen.
Daher schlage ich vor, es mit dem Dichter Matthias Claudius zu halten, der in seinem Erntelied schreibt: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ Was Matthias Claudius auf die Natur hin dichtet, gilt meiner Ansicht nach auch für den Glauben. Säen wir großzügig und unverdrossen, „doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ 

Ihr
Pfarrer Thomas Witzel

Beitragsfoto: R. Schwarz