Aktuelles – Das Wort zum Monat

Beitrag vom 1. Juli 2020

Vorwort Juli – August

Nimm dir Zeit, um glücklich zu sein. Zeit ist keine Schnellstraße zwischen Wiege und Grab, sondern Platz zum Parken in der Sonne.

Phil Bosmans

Liebe Gemeinde!
Eigentlich hätte der heilige Bernhard von Clairvaux mit seinem
Schüler Bernhard von Pisa zufrieden sein müssen. Dieser war 1145
Papst geworden und nannte sich Eugen III. Als Papst stürzte er sich
in die Arbeit und berichtete seinem geistlichen Vater Bernhard von
Clairvaux von seinen vielen Aktivitäten. Aber der Lehrer fand das
gar nicht gut. Er schrieb deshalb 1148 einen langen Brief, den ich
auszugsweise Ihnen wiedergebe:
„Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen
Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid
mit Dir. Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen
Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst und deshalb Deine
Stirn verhärtest; dass Du Dich nach und nach des Gespürs für
einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst. Es ist
viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen
Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach
an einen Punkt führen, an dem Du nicht landen willst.
Wenn Du ganz und gar für alle da sein willst, nach dem Beispiel
dessen, der allen alles geworden ist, lobe ich Deine
Menschlichkeit – aber nur, wenn sie voll und echt ist. Wie kannst
Du aber voll und echt sein, wenn Du Dich selber verloren hast?
Auch Du bist ein Mensch. Damit Deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst Du also nicht nur für
alle anderen, sondern auch für Dich selbst ein aufmerksames
Herz haben.
Denn, was würde es Dir nützen, wenn Du – nach dem Wort des
Herrn – alle gewinnen, aber als einzigen Dich selbst verlieren
würdest? Wenn also alle Menschen ein Recht auf Dich haben, dann
sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat.
Warum solltest einzig Du selbst nicht von Dir alles haben? Wie
lange bist Du noch ein Geist, der auszieht und nie wieder
heimkehrt? Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine
Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selber? Ja, wer mit sich schlecht
umgeht, wem kann der gut sein?
Denk also daran: Gönne Dich Dir selbst. Ich sage nicht: Tu das
immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer
wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da.“

Was in diesem Brief der heilige Bernhard von Clairvaux vor fast 900
Jahren an seinen Schüler Papst Eugen III. geschrieben hat, gilt
auch heute: Denk auch an dich! Tu nicht so viel! Mach halblang!
Gerade die Zeit der Sommerferien ist eine gute Gelegenheit darür.
Ich wünsche Ihnen, gleich ob Sie wegfahren oder zu Hause bleiben
(vielleicht sogar zu Hause bleiben müssen), eine erholsame und gesegnete Zeit.

Ihr

Thomas Witzel

Pfarrer

Foto: R. Schwarz

Beitrag vom 29. Mai 2020

Vorwort Juni 2020

Liebe Gemeinde , liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!

Es sind wahrlich keine einfachen Zeiten, in denen wir uns befinden. Seit Mitte März war das öffentliche Leben äußerst reduziert und in manchen Lebensbereichen sehr eingeschränkt. Auch das kirchliche Leben und die Arbeit der Pfarrgemeinden – auch bei uns – waren davon betroffen. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass öffentliche Gottesdienste nicht mehr erlaubt sind.
Nun aber sind wir in der zweiten Phase der Corona – Pandemie . Es können seit dem 04. Mai wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden. Das hat zahlreiche Menschen (und natürlich auch mich) sehr gefreut. Auch anderes wurde wieder gelockert.
Wenn auch jetzt in den Kirchen etliche Hygiene – und Abstands regeln einzuhalten sind und andere Einschränkungen gelten, so stelle ich ein hohes Maß an Verständnis dafür fest und sehe eine große Bereitschaft, sich dem zu unterziehen. Dies zeigt: Wir sind noch weit entfernt von der Zeit vor der Corona – Pandemie. Wir sind weiterhin in einem Ausnahmezustand. Das gilt es zu akzeptieren und gleichzeitig einen Weg zu finden, wieder mehr Leben in der Pfarrgemeinde zu ermöglichen.
Das Bild auf der Vorderseite dieses Pfarrbriefes spricht Bände und dokumentiert gut die derzeitige Situation. Es zeigt die teilweise ab – gesperrten Bänke in der Pfarrkirche in Steinhaus, die Schilder „Sitzplatz“ und die Markierungen im Mittelgang der Kirche.
Auch darf nicht vergessen werden, dass außer den Gottesdiensten die anderen gemeinschaftsstiftenden Dinge zurzeit nicht möglich sind. Es gibt keine Sitzungen, keine Versammlungen der Vereine und Verbände, keine Gruppenstunden, keine katechetischen Angebote und anderes mehr.
Gehen wir mit Gottvertrauen unseren Weg! Das Gebet begleite uns. Dazu ist noch einmal das Gebet in schweren Zeiten von Pater Norbert Becker, das schon im 2. Sonderpfarrbrief stand, abgedruckt worden. Dieses Gebet möchte uns alle in dieser schwierigen Zeit begleiten.
Bleiben Sie gesund! Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Th. Witzel, Pfarrer

Es grüßen ebenfalls herzlich

Rebecca Dechant – Gemeindereferentin

Karin Seidl – Pfarrsekretärin

Priesterweihe von Frater Patrick Vey OMI

Die Priesterweihe von Frater Patrick Vey OMI aus Götzenhof war für Samstag, den 23. Mai, geplant und sollte in der Klosterkirche in Hünfeld gespendet werden. Am darauffolgenden Tag sollte die Heimatprimiz in Steinau stattfinden.

Dies alles musste aufgrund der gegenwärtigen Situation verschoben werden. Nun steht ein neuer Termin fest. Die Priesterweihe wird am Samstag, dem 12. September 2020, um 9.30 Uhr im hohen Dom zu Fulda stattfinden. Die Heimatprimiz wird allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt sein.

Foto: Archiv

Beitrag vom 17. Dezember 2019

Vorwort Dezember 2019

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser dieses Weihnachtspfarrbriefes!

Nur Mutter und Kind . Ein lebhaftes, kräftiges Kind. Und eine stille, beinahe entrückte Mutter. Jung ist sie, zart, mit schlanken Händen und einem Gesicht wie gemalt. Die Geburt scheint sie nicht erschöpft zu haben. Und das Kind sieht auch schon so aus, als sei es für das Leben bereit. Nur Mutter und Kind in stiller Versenkung – worein?

Manchmal malt sich das Leben schöner , als es ist. Vor allem, wenn das Bedrückende vorbei ist. Dann bekommt auch das Elende manchmal einen leichten Glanz. Den Glanz, es überstanden zu haben. So wird es Maria jetzt gehen.

Vorher war es alles andere als glänzend. Eine junge, unverheiratete Frau wird schwanger. Josef, ihr Verlobter, weiß von nichts und will sich von ihr trennen. Es brauchte einen Wink des Himmels – und Josef blieb. Dann die Wanderschaft nach Betlehem, hochschwanger, der Stall als Heimat. Das alles ist keine Tragödie, aber schön ist es auch nicht. Jetzt aber ist es geschafft mit der Hilfe Gottes und der Menschen. Da darf man ruhig etwas Glanz auftragen. Und man darf Maria kleiden wie eine junge Königin, die sie wohl nie war in ihrem Leben, zumindest äußerlich.
Innerlich dagegen schon. Es war etwas an ihr, das sie königlich erscheinen lässt. Eine eigene Art von Weisheit. Es ist Weisheit des Annehmens. Ob Maria alles verstanden hat: den Engel Gabriel, der ihre Auserwähltheit verkündet und die Geburt des Sohnes Gottes; ihren Verlobten Josef, der zweifelnd auf alles schaut; die Hirten und die Könige, die das Kind in der Krippe anbeten? Wahrscheinlich versteht Maria nicht alles, aber sie nimmt es an: Wenn es Gottes Wille ist, dann ist es und wird es gut. Das ist Weisheit: Gott sprechen zu lassen und dann seinen Worten zu folgen.
Marias Weisheit ist ihr Vertrauen. Manchmal kann man nichts tun. Man fühlt sich ausgeliefert dem, was Gott will oder nicht verhindert. Man sitzt und grübelt oder weint oder klagt. Und hofft trotzdem. Das ist Weisheit. Weisheit ist hoffen gegen das, was vor Augen ist und auf der Seele liegt. Dahin muss man kommen. Wie Maria.
Als der Engel zu ihr tritt und ihr das Unfassbare ankündigt, sind dies ihre Worte: Mir geschehe. Nicht als blindes Schicksal sieht Maria ihr Geschick, sondern als Gottes Wille. Und was Gott will, wird gut. Früher oder später. Weise ist, wer so denken, glauben und hoffen kann wie Maria.
Ich wünsche Ihnen schon jetzt ein frohes, gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest, einen guten Beschluss des alten Jahres, Gottes Segen und Geleit im neuen Jahr und lade Sie herzlich ein zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen unserer Pfarrgemeinde.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Pfr. Thomas Witzel

Foto: H.Röder

Beitrag vom 24. Oktober 2019

Vorwort November 2019

Liebe Gemeinde!

Der vorletzte Monat des Jahres, der November, genießt bei vielen Menschen wenig Sympathie: zu viel Verwelken, zu viel Verfall, zu viele Grautöne, zu viele traurige  Gedenktage wie beispielsweise Allerseelen oder der Volkstrauertag . „Ein Monat mit Trauerrand“, so hat ihn jemand einmal genannt.
In der Tat ist der November ein ausgesprochener Herbstmonat, in dem das Wetter sich oft trübe und traurig, unfreundlich und nasskalt, unwirtlich und trist zeigt. Er ist eine Zeit, in der sich die Natur auf den Winter einstellt und das Leben sich buchstäblich in die Wurzeln und in die schützende Erde zurückzieht und sich gleichsam zu „verkriechen“ beginnt. Fast unwillkürlich werden da unsere Ged anken auf das Sterben und auf den Tod gelenkt.
Doch wie wäre es, diese Zeit einmal positiv zu sehen?
In einem Pfarrbrief einer anderen Pfarrgemeinde las ich einmal unter der Überschrift „Herbstliche Chance“ diese kurze Besinnung:

„Der Herbst macht (auch) besinnlich. Er ist sogar ein Meister in der Kunst, unsere Gedanken und Wünsche auf den „Sinn“ zu lenken. Der Herbst nimmt nämlich zurück. Er bremst die tolle Fahrt des Lebens. Im Herbst fallen die Illusionen wie Sommerblätter von den Bäumen, so dass das Wesentliche sichtbar wird: der Stamm, die tragenden Äste. Die Früchte wurden abgegeben und abgeerntet. Nun sammeln sich die Kräfte für den Wintertod, aber auch – für die Auferstehung in ein neues Jahr.“
Ich denke, es ist gut, die Zeit des Novembers einmal von dieser Seite zu betrachten .

Ihr Pfarrer
Thoma Witzel

Beitragsbild: R. Schwarz

Beitrag vom 23. September 2019

Vorwort zum Monat Oktober 2019

Liebe Gemeinde!

Am ersten Sonntag im Monat Oktober feiern wir jedes Jahr das Erntedankfest. Dessen Nameerklärt schon, warum es geht: Wir danken für die Ernte des Jahres, wir danken für unser tägliches Brot.
Vor der Ernte steht – eine Binsenweisheit – die Aussaat. So selbstverständlich das ist,

so schnell wird es auch von manchen vergessen, denen Gartenarbeit und Landwirtschaft fremd sind. Deshalb sollte der Erntedanksonntag auch ein Anlass sein, denen zu danken, die für unsere Nahrung sorgen. Überhaupt sollen die Grenzen des Dankes nicht zu eng gezogen werden. Was brauchen wir – außer Lebensmitteln – nicht alles für unser Leben!
Doch bleiben wir einmal bei der Aussaat.
Dass vor der Ernte die Aussaatsteht, gilt auch für Kirche und Gemeinde sowie im Glauben. Wobei nicht so offensichtlich ist , was hier Ernte bedeutet. Ob ein Mensch gläubig ist, ob er versucht, aus dem Glauben zu leben, ist nicht so offensichtlich wie ein Baum voller Früchte oder ein Feld mit reifen Ähren.
Dennoch möchte ich mich auf das beschränken, was „sichtbar“ ist: der Gottesdienstbesuch, der Empfang der Sakramente, das Engagement in der Gemeinde. Oft wird hier die Klage laut, dass die Ernte in diesem Bereich kärglich ist. Seltener ist die Frage, wie denn die Aussaat gewesen ist. Sicher ist die Verkündigung des Glaubens ein ebenso mühsames Geschäft wie die Aussaat im Garten und auf dem Feld. Den Menschen immer wieder nachzugehen ist genauso anstrengend wie die Pflege noch junger Pflanzen.
Daher schlage ich vor, es mit dem Dichter Matthias Claudius zu halten, der in seinem Erntelied schreibt: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ Was Matthias Claudius auf die Natur hin dichtet, gilt meiner Ansicht nach auch für den Glauben. Säen wir großzügig und unverdrossen, „doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ 

Ihr
Pfarrer Thomas Witzel

Beitragsfoto: R. Schwarz