Aktuelles – Das Wort zum Monat

Beitrag vom 14. Dezember 2018

Vorwort Weihnachten 2018

Liebe Gemeinde!
Liebe Leserinnen und Leser dieses Weihnachtspfarrbriefes!
Ein bisschen muss man ihn suchen, den Bildmittelpunkt, den Mittelpunkt des Ereignisses auf der Titelseite dieses Pfarrbriefes. Die überlangen Figuren in ihren farbenfrohen Gewändern, die kantigen Felsformationen, die Felsen und der auffällige Stall lassen das Kind von Betlehem fast nebensächlich erscheinen.
Es ist ein frommes Bildnis, diese Darstellung der Geburt Christi, die der Malermönch Piero di Giovanni, genannt Lorenzo Monaco (1365/1371-1422) geschaffen hat. Der Florentiner malte es als Mitteltafel eines Altarbildes zur Krönung Mariens. Sein Werk ent-spricht dem Blickwinkel eines tiefgläubigen Menschen seiner Zeit. Es überhöht die Szene ins göttliche Gold. Die Geburt Christi geschieht jenseits des menschlichen Fassungsvermögens.
In der heutigen Zeit hat längst ein Perspektivenwechsel stattgefunden. Ausgangspunkt in der Betrachtung des Weihnachtsgeschehens ist auch in der Kunst nicht mehr das menschliche Unvermögen und die Distanz zum Göttlichen. Nein, der Blick richtet sich auf Gott, der einer von uns geworden ist. Unzählige Varianten von Krippen und moderne Darstellungen des Geschehens von Betlehem belegen das.
Menschwerdung: diese Einheit von göttlich und menschlich, die an Weihnachten sichtbar wird, ist nicht nur bezogen auf die Person Jesu von Nazaret. Sie gilt vielmehr für alle Menschen. Alle Menschen haben Anteil am Göttlichen. Welche Wertschätzung des Menschen!
Ich wünsche Ihnen schon jetzt ein frohes, gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest, einen guten Beschluss des alten Jahres, Gottes Segen und Geleit im neuen Jahr und lade Sie herzlich ein zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen unserer Pfarrgemeinde.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr

Pfarrer Thomas Witzel

Foto: Archiv

Beitrag vom 24. November 2018

Vorwort Dezember 2018

Liebe Gemeinde! Liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Viele Menschen wünschen sich eine besinnliche Adventszeit. Ruhe und Beschaulichkeit gelten geradezu als die Merkmale eines „gelungenen“ Advents. Zugleich machen viele Menschen eine grundlegend andere, eine genau gegenteilige Erfahrung in diesen Wochen. So vieles ist noch zu erledigen – im Beruf die abschließenden Arbeiten des zu Ende gehenden Jahres; im Privaten die zahlreichen Vorbereitungen für das Weihnachtsfest. Auch der Terminkalender ist spürbar voller als in den anderen Monaten des Jahres. Da macht sich die Enttäuschung breit, es wieder einmal nicht mit der Ruhe geschafft zu haben.
Schaue ich in die Texte der Bibel, die für die Wochen des Advents vorgesehen sind, so sehe ich: Da ist nirgends von Ruhe und Besinnlichkeit die Rede. Im Gegenteil – egal, ob beim Propheten Jesaja oder bei Johannes dem Täufer: viel lese ich von Aufbruch, von zu gehenden Wegen, von Wegbereitung. Gott selbst ist in Bewegung: er kommt zur Erde, er wird Mensch in Jesus Christus und wird am Ende der Zeiten wiederkommen. Advent heißt schließlich „Ankunft“.
Ich denke, wichtig ist dies: Das Kind von Betlehem, das Sie auf der Titelseite dieses Pfarrbriefes abgebildet sehen, lädt alle Menschen ein und schließt niemanden aus. Bei ihm sind alle willkommen: die Besinnlichen und die Gestressten, die mit sich Unzufriedenen und die Unfertigen. Gott kommt in diese Welt, wohl wissend, dass ich mit der Arbeit nicht fertig bin, dass ich wenig Zeit habe. Dem im Stall zu Betlehem Geborenen ist Perfektionismus fremd. Also müssen auch mein Advent und mein Weihnachten nicht perfekt sein. So wie ich bin, bin ich an der Krippe willkommen und darf dort zur Ruhe kommen.

Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen
Ihr
Pfr. Thomas Witzel

Foto: H.Röder

Beitrag vom 28. Oktober 2018

Vorwort November 2018

Liebe Gemeinde!
1914 und 1945 – Anfangs- und Endpunkt einer düsteren Zeit: 1914 – Beginn des Ersten Weltkrieges, der genau vor 100 Jahren, im November 1918, zu Ende ging und 1945 – Ende des Zweiten Weltkrieges, der im September 1939 begonnen hatte. Dies war eine Epoche millionenfachen Todes, unvorstellbaren Leides, furchtbarer Gräuel.
Über diesen beiden Jahreszahlen sehen Sie auf dieser Seite die Gestalt des auferstandenen Herrn, der gerade dem Grab entsteigt. Das Kreuz in der einen Hand, die andere Hand zum Segen erhoben, einen Fuß auf den Trümmern der Grabplatte. Kommt hier zusammen, was nicht zusammengehört?
Im Gegenteil: Wenn die Dimension des Leids unvorstellbar ist, muss auch die Größe der Hoffnung unvorstellbar sein. Unvorstellbar, aber doch glaubwürdig. Millionen Toten sind Millionen Leben, die umkamen, sind Millionen Einzelschicksale – und jedes Leben liegt Gott am Herzen. Für jedes Leben ist Jesus Christus auferstanden. Die Botschaft des Ostermorgens spricht genau in die Fassungslosigkeit der Kriege hinein, wie sie in die Fassungslosigkeit jedes Sterbens hineinspricht. Wie die Frauen am Grab Jesu die Botschaft „Jesus lebt“ gehört haben, so dürfen wir diese Botschaft an jedem Grab hören: am Grab eines geliebten Menschen genauso wie auf den Soldatenfriedhöfen mit ihren langen Gräberreihen. Wo alles durch menschliche Schuld am Ende ist, macht Gott einen neuen Anfang.
Das Bild des Auferstandenen über den Jahreszahlen 1914 und 1945 ist jedoch nicht nur eine Botschaft der Hoffnung, sondern zugleich auch eine Mahnung. Gott ist ein Gott des Lebens. Er liebt das Leben und besiegt den Tod. Er möchte, dass die Menschen das Leben in Fülle haben. Kein Krieg kann und darf mit Gottes Botschaft des Lebens und der Liebe begründet werden.
Ihr Pfarrer
Thoma Witzel

Beitragsbild: H.Röder

Beitrag vom 23. September 2018

Vorwort zum Monat Oktober 2018

Liebe Gemeinde!
Anfang Oktober feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Franz von Assisi. Schon zu seinen Lebzeiten galt Franziskus als „Urbild des neuen Menschen“, weil er in seltener Radikalität und Klarheit in seinem Leben die Nachfolge Jesu verwirklichte. Aus diesem Grund empfingen und empfangen bis heute die Kirche und andere Bereiche des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens wichtige Anregungen von ihm.
Besonders prägend sind seine konsequente Hinwendung zu den Armen und seine große Liebe zur Schöpfung. Bezeichnend ist zum Beispiel, warum Kardinal Bergoglio nach seiner Wahl den Papstnamen „Franziskus“ wählte. Kardinal Hummes hätte ihn nach der Wahl gebeten, in seinem Pontifikat die Armen nicht zu vergessen, und Franziskus sei für ihn ein Mann der Armut. Die Hinwendung zu den Armen ist folgerichtig auch ein Hauptthema der bisherigen Amtszeit von Papst Franziskus.
Vom heiligen Franz von Assisi, der in seinem Sonnengesang die Schönheit der Schöpfung pries, wird außerdem erzählt, dass er einen Wolf zähmte und den Vögeln predigte. So machte er schon vor 900 Jahren deutlich, dass die Bewahrung der Schöpfung zu den Aufgaben der Christen gehört.
Franziskus ist aus einem weiteren Grund ein richtungsweisender Heiliger. 1205 vernahm er in der baufälligen Kapelle San Damiano vor dem Kreuz die Worte: „Franziskus, geh hin und stelle mein Haus wieder her, das, wie du siehst, schon ganz verfallen ist.“ Worte, die sich nicht nur auf die verfallene Kapelle, sondern auf die ganze Kirche bezogen, die damals in einer Krise war. Es sind aber auch Worte, die auch den Christen heutzutage gelten: mitzuwirken am Aufbau der eigenen Kirchengemeinde wie auch der ganzen Kirche.

Ihr
Pfarrer Thomas Witzel

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Am 4. Oktober feiert die Kirche den heiligen Franz von Assisi. Das älteste, noch zu Lebzeiten entstandene Bild des Heiligen ist ein Fresko im Kloster San Benedetto in Subiaco.

Beitrag vom 15. Juni 2018

Wort zum Sommerpfarrbrief 2018

Liebe Gemeinde!
Viele sprechen in diesen Tagen von Ferien:
Schulferien, Betriebsferien, Semesterferien. Und wer freut sich nicht auf diese Zeit! Die wollen wir in vollen Zügen genießen.
Ferien: ein herrliches Wort. Das lässt sich hören. Selbst unser Glaube hat eine Vorliebe für Ferien. Denn Ferien, dieses Wort stammt aus dem kirchlichen Sprachgebrauch. Früher sprach der kirchliche liturgische Kalender nicht von Montag, Dienstag usw., sondern es hieß: feria prima, feria secunda usw.
Was bedeutet das? Dort, wo die Erlösung in unserem Leben zum Zug kommt, dort herrscht Freiheit, dort besteht jeden Tag Anlass zum Feiern. Wir Menschen sind eben nicht nur für das Arbeiten und Tätigsein geschaffen; es gibt noch etwas darüber hinaus: Ferien.
Wir Menschen brauchen ja Erholung, Entspannung, Entlastung, Ruhe. Wir müssen immer wieder neue Kräfte sammeln, um fit zu bleiben. Wir brauchen Entspannung, um den Stress und die täglichen Spannungen aushalten zu können. Wir brauchen Entlastung, um die Lasten des Alltags nachher wieder tragen zu können.
Jedoch: Ist das alles? Dann hätten Ferien lediglich eine Entlastungsfunktion. Die haben sie natürlich. Aber das kann nicht ihr einziger, ihr eigentlicher Sinn sein. Sonst wären sie im Grunde doch wieder an der Arbeit orientiert und in den Arbeitsrhythmus eingeplant. Sie wären ein Rad im Leistungssystem: Um leistungsfähig zu bleiben, erholt man sich.
Manche Menschen scheinen das – bewusst oder unbewusst – anzunehmen: Der Mensch ist das, was er leistet, und das, was er sich leisten kann. Danach schätzen sie sich ein, danach beurteilen sie. Je mehr einer leistet, desto mehr gilt er, desto angesehener ist er.
Stimmt aber diese Devise?
Sicher: Wir können heute vieles machen. Aber alles können wir nicht machen. Wir können den Sinn unseres Lebens nicht erzwingen. Und wir brauchen es auch gar nicht; denn er ist uns geschenkt. Unser Leben hat einen Sinn erhalten, bevor wir etwas leisten konnten. Und unser Leben ist auch dann noch sinnvoll, wenn wir nichts mehr leisten können. Wir sind ja von Gott bejaht, von Gott angenommen. Darum hat unser Leben einen Sinn.
Von daher kann man die Ferien ganz anders verstehen. Sie sind dann nicht mehr nur dazu da, unsere Leistungsfähigkeit zu erhalten. Vielmehr weisen sie uns darauf hin, dass nicht erst Arbeit und Leistung unserem Leben einen Sinn geben, sondern dass es immer schon in sich sinnvoll ist, weil wir Gott etwas bedeuten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, gleich ob Sie wegfahren oder zu Hause bleiben, eine gesegnete Zeit.

Ihr
Pfr. Thomas Witzel