Aktuelles – Das Wort zum Monat

Beitrag vom 28. Mai 2021

Vorwort Juni-Juli 2021

Liebe Gemeinde!
liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Da gibt es die Geschichte von einem kleinen Heiligen, der viele Jahre ein glückliches und zufriedenes Leben geführt hatte. Als er eines Tages in der Klosterküche gerade beim Geschirrabwaschen war, kam ein Engel zu ihm und sprach: „Der Herr schickt mich zu
dir und lässt dir sagen, dass es an der Zeit für dich sei, in den Himmel zu kommen.“ – „Ich danke dem Herrgott, dass er sich meiner erinnert“, erwiderte der kleine Heilige, „aber du siehst ja, was für ein Berg Geschirr hier noch abzuwaschen ist. Ich möchte nicht undankbar erscheinen, aber lässt sich das mit der Ewigkeit nicht noch so lange hinausschieben, bis ich hier fertig bin?“ Der Engel antwortete: „Ich werde sehen, was sich machen lässt“, und verschwand. Der kleine Heilige wandte sich wieder seinem Geschirrberg zu und danach noch allen möglichen anderen Dingen.
Eines Tages machte er sich gerade mit einer Hacke im Garten zu schaffen, da erschien ihm wieder der Engel. Der Heilige wies mit der Hacke auf die Beete und sagte: „Sieh dir das Unkraut hier an! Kann denn die Ewigkeit nicht noch ein bisschen warten?“ Der Engel
lächelte und verschwand abermals. Der Heilige jätete den Garten fertig, dann strich er die Scheune. Und so lebte er fort, und die Zeit verging.
Eines Tages pflegte der kleine Heilige im Hospital die Kranken. Er hatte gerade einen fiebrigen Patienten einen Schluck kühles Wasser eingeflößt, als er wieder den Engel vor sich sah. Dieses Mal breitete der Heilige nur müde die Arme aus und lenkte den Blick des
Engels von einem Krankenbett zum anderen. Der Engel verschwand abermals, ohne ein Wort zu sagen.
Als der kleine Heilige sich an diesem Abend in seine Klosterzelle zurückzog und auf sein hartes Lager sank, sann er über den Engel nach und über die lange Zeit, die er ihn schon hingehalten hatte. Mit einem Mal fühlte er sich schrecklich alt und müde und sprach: „O Herr, könntest du noch einmal deinen Engel schicken, er wäre mir jetzt sehr willkommen.“ Kaum hatte er aufgehört zu reden, da stand der Engel schon da. „Wenn du mich noch nimmst“, sagte der Heilige, „so bin ich nun bereit, mit dir in den Himmel zu gehen!“
Der Engel blickte ihn an und antwortete: „Was glaubst du wohl, wo du die ganze Zeit gewesen bist?“
Bereits jetzt, in vielen kleinen Dingen des Alltages, kann ein Stück vom Himmel sein.
Himmel ist dort, wo ein Mensch in Vertrauen seinen Weg geht, weil er erfahren darf: Ich bin von Gott getragen und geliebt.
Himmel ist dort, wo ein Mensch den Mühen des Alltages standhält, weil er weiß: Auf mich wartet die Ewigkeit.
Himmel ist dort, wo ein Mensch sich dankbar seines Lebens erfreut, weil er überzeugt ist: Alle Tage meines Lebens sind mir von Gott geschenkt. Himmel ist dort, wo ein Mensch anderen hilft und ihnen Mut zum Leben macht, weil er erfahren hat: Durch Geben und Schenken werde ich reich.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit

Ihr
Th. Witzel, Pfarrer

Es grüßen ebenfalls herzlich
Rebecca Dechant, Gemeindereferentin und Karin Seid Pfarrsekretärin

Foto: R. Schwarz

Beitrag vom 26. Februar 2021

Vorwort März 2021

Liebe Gemeinde!
Liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Als der geniale Albert Einstein am 18. April 1955 im Alter von 76 Jahren in New Jersey verstarb, soll er im Krankenhaus noch ein paar Sätze gesprochen, eher gemurmelt haben, und zwar in seiner deutschen Muttersprache. Im Sterbezimmer war eine Krankenschwester anwesend, die nur Englisch sprach. Schade! Was hätte uns dieser kluge Mann noch an letzten Worten mitgeben können!
Es gibt manche Menschen, von denen man sagt, dass sie immer „das letzte Wort“ haben müssen. Oft nennt man sie auch „notorische Besserwisser“. Anders ist es in der Bibel. Im Buch der Bücher sind letzte Worte gewichtig, voll von Hoffnung und Freude, von Jesus Christus gesprochen oder von Gottes Geist inspiriert. Im Neuen Testament steht am Ende des Matthäusevangeliums die Zusage Jesu: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Bei Markus heißt es: „Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiten.“ Am Schluss des Lukasevangeliums lesen wir von den Aposteln: „Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.“ Am Ende des Johannesevangelium heißt es: „Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles einzeln aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die dann geschriebenen Bücher nicht fassen.“ Und am Ende des Neuen Testamentes, gleichzeitig auch am Schluss der Bibel, heißt der letzte Satz der Offenbarung des
Johannes: „Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!“ Letzte Worte, Hoffnung für alle. Niemand soll ohne Gnade – ohne seine Gnade – sein. Welch ein Trost, welch eine Hoffnung.

Herzliche Grüße
Ihr
Th. Witzel, Pfarrer

Es grüßen ebenfalls herzlich

Rebecca Dechant
Gemeindereferentin

Karin Seidl
Pfarrsekretärin

Foto: H. Röder

Beitrag vom 24. Januar 2021

Vorwort Februar 2021

Liebe Gemeinde!
liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Stellen Sie sich bitte einmal folgende Situation vor: Ein Student bekommt eine gute Note, bevor er seine Hausarbeit abgegeben hat. Das geht doch nicht, mögen Sie jetzt vielleicht denken. Das ermuntert doch nur zur Bequemlichkeit. Ein anderes Beispiel: Würden Sie
einer Baufirma die gesamte Summe für ein neues Haus überweisen, bevor auch nur die Baugrube ausgehoben worden ist? Wohl kaum. Ein letztes Beispiel: Sie erhalten einen hohen Kredit, obwohl Sie überhaupt keinerlei Sicherheit vorzuweisen haben. Was halten Sie von einem solchen Kreditgeber? Er handelt fahrlässig, denken Sie jetzt vielleicht.
Genauso aber handelt Gott. Er gibt ohne Gegenleistung eine gute Note. Er riskiert es, übers Ohr gehauen zu werden wie der Bauherr, der die Firma vor dem ersten Spatenstich bezahlt. Er gibt fahrlässig einen hohen Kredit ohne entsprechende Sicherheit. Denn so sagt es der Apostel Paulus im Römerbrief (5,8): „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“.
Es ist etwas Ungeheuerliches, das der Apostel Paulus hier sagt: Das Wagnis, das Gott mit uns Menschen eingegangen ist und immer wieder neu eingeht, ist, dass wir Menschen seine Liebe unbeantwortet lassen können, selbst die Liebe, die Jesus Christus uns am
Kreuz erwiesen hat. Denn Gottes Liebe ist bedingungslos. Obwohl sich die Menschen immer wieder von ihm abgewandt haben, erwartet er keine Vorleistung. Seine Liebe kennt kein Wenn und Aber.
Kann ich das glauben, obwohl menschliches Miteinander oft ganz anders aussieht, Liebe an Bedingungen gebunden ist und enttäuschte Liebe sich oft abwendet? Und wenn ich es glauben kann, was bedeutet es für mein Leben?
Zunächst einmal, dass ich mich so akzeptieren kann, wie ich bin, und auch andere akzeptiere und nicht verurteile. Und das Zweite ist, dass ich mir Gottes Liebe zum Vorbild nehme, damit mein Wenn und Aber, das so oft der Liebe im Wege steht, kleiner wird. Weil
Gott mich so sehr liebt, kann es auch mir leichter fallen, selbst andere zu lieben.
Haben Sie sich die Vorderseite dieses Pfarrbriefes angesehen? Zwischen dem Kreuz und dem Zeichen für das Herz, also für die Liebe steht ein Gleichheitszeichen. Das heißt: Am Kreuz zeigt sich Gottes bedingungslose Liebe.

Herzliche Grüße
Ihr
Th. Witzel, Pfarrer

Es grüßen ebenfalls herzlich

Rebecca Dechant
Gemeindereferentin

Karin Seidl
Pfarrsekretärin

Foto: R. Schwarz