Aktuelles – Das Wort zum Monat

Beitrag vom 27. Mai 2019

Wort zum Sommerpfarrbrief 2019

Liebe Gemeinde!
Wie in jedem Jahr begehen wir am 05. Juni das Hochfest des hl. Bonifatius. In diesem Jahr sind die Gläubigen schon am 02. Juni zur Bonifatiuswallfahrt nach Fulda und zu dem sich anschließenden Festgottesdienst auf dem Domplatz eingeladen.
Wenn man mich fragt, was mich am hl. Bonifatius fasziniert, so sind es mehrere Dinge: seine Begeisterung für den Glauben, sein missionarischer Geist, sein Mut, seine Standfestigkeit, seine Ausdauer – überhaupt sein Lebenswerk.
Dass Bonifatius es nicht leicht hatte, sein großes Ziel, die Frohe Botschaft von Jesus Christus an die Menschen weiterzugeben, die noch nichts von ihm gehört hatten, zeigt allein diese Aussage eines Zeitgenossen über ihn: „Sie begannen, gegen ihn zu reden, ihn zu schmähen, so sehr sie konnten, und behaupteten, er sei des Bischofsamtes nicht würdig, weil er ein Fremder sei.“
Bonifatius hatte also bei seinem Bemühen, den Glauben in Germanien zu verkünden und die Kirche zu reformieren, auch große innerkirchliche Widerstände zu überwinden. Er wurde nämlich, weil er ein Fremder war, der aus England kam, von manchen einheimischen Kirchenführern nicht akzeptiert. Doch er ließ sich dadurch nicht beirren und von seiner Mission abbringen.
Der hl. Bonifatius war schon über 40 Jahre alt, als er von England aufbrach, um in Germanien das Evangelium zu verkünden. Bekanntlicherweise scheiterte sein erster Versuch in Friesland, und er kehrte in sein Kloster in England zurück. Dort wurde er sogar zum Abt gewählt. Doch es hielt ihn nicht lange in seinem Kloster, und er brach zum zweiten Mal zum Festland auf. Dieses Mal war es für ihn endgültig.
Bonifatius war eben von Jesus Christus und seiner Botschaft so begeistert, dass er den Menschen, die noch nichts vom Evangelium gehört hatten, dieses verkünden wollte. Er hatte es selbst erfahren und wollte es weitergeben, dass diese Botschaft den Menschen gut tut. Sie sagt einem jeden Menschen zu: Du bist von Gott erwünscht und gewollt. Du bist in den Augen Gottes einzigartig und liebenswert. Über deinem Leben steht das große „Ja“ Gottes.
Deshalb brach Bonifatius aus seiner Heimat in die Fremde auf. Deshalb machte er sich sogar mit etwa 80 Jahren nochmals auf, um als Missionar in Friesland zu wirken, wo er einstmals mit seiner Missionarsarbeit begonnen hatte. Dort erlitt er am 05. Juni 754 den Märtyrertod.
Schon heute lade ich Sie ein, an der Bonifatiuswallfahrt teilzunehmen um zum Bonifatiusfest nach Fulda zu kommen.

Ihr
Pfr. Thomas Witzel

Foto: Privat

Beitrag vom 3. April 2019

Vorwort April – Mai 2019

Liebe Gemeinde,
liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
So sieht ein Sieger aus, der seinen Triumph feiert. Auf der Titelseite dieses Pfarrbriefes sehen Sie ihn. Alle fallen, ER aber steht siegesgewiss. Mit einem makellosen Körper. Als hätte es nie Schläge gegeben. Als hätten die Geißelung und die Dornenkrone diesem Leib nichts anhaben können. Das Schandmal des Kreuzes ist zu einem Fähnlein in der rechten Hand geworden. Und blau, die Farbe der Treue Gottes, weht um den Körper. So sieht ein Triumph aus. Wer eben noch mächtig war, fällt einfach um. Ob mit oder ohne Rüstung. Wo Gott am Werk ist, ist kein Halten mehr. Nur noch hoffen.
So stellt man sich die Auferstehung Jesu vor: als Triumph, als Machterweis, als Paukenschlag Gottes. Alles fällt, einer steht.
Es war aber niemand dabei an jenem Ostermorgen. Und laut kann es auch nicht gewesen sein, sonst hätten die Frauen auf dem Weg zum Grab ja etwas gehört. Das haben sie aber nicht. Als sie voller Trauer am Grab Jesu ankommen, ist alles schon geschehen – in Stille. Kein Paukenschlag, keine Posaunen. Gottes Mächtigkeit wirkt still. Denn wirkliche Macht braucht keinen Lärm. Gott schon gar nicht. Seine Siege geschehen lautlos.
Aber Gottes Siege geschehen eindrucksvoll. Und zwar so eindrucksvoll, dass wir heute noch davon leben. Wir wissen zwar nicht, wie der Stein vom Grab verschwand. Aber eines wissen wir, dass die Frauen das leere Grab anders gestimmt verlassen haben, als sie angekommen sind. Nach der Trauer und dem Schmerz kam die Hoffnung. Ihr Heimweg vom leeren Grab war ein Weg der Hoffnung.
Sicher: Auch heute gibt es soviel Schmerzen, deretwegen Menschen weinen. Friedhöfe beispielsweise sind voller Tränen. Und voller Schmerz über den Verlust lieber Menschen. Das ist so. Das bleibt auch so.
Aber was nicht bleiben muss, ist unsere Ohnmächtigkeit. Das spüren wir an den Frauen am Grab Jesu. Sie kehren anders zurück. Gesehen haben sie nichts von der Auferstehung Jesu. Aber gehört haben sie davon. Und gefühlt. Die Engel haben ihnen gesagt: Der Herr ist auferstanden. Einen Beweis dafür bekommen die Frauen nicht. Aber was sie bekommen, ist wertvoller: Sie bekommen Hoffnung. Direkt vom Himmel. Ihre Hoffnung heißt: Ihr Traurigen könnt leben. Ihr Weinenden könnt hoffen. Ab jetzt lebt ihr nicht mehr mit eurer Ohnmächtigkeit, sondern mit der Mächtigkeit Gottes. Weil Jesus auferstanden ist, lebt ihr. Heute, morgen und immer. Euer Gott ist größer als Tränen, Schmerz und Leid. Er ist ein Gott des Lebens.
Ich wünsche Ihnen schon heute ein frohes und gesegnetes Osterfest. Gleichzeitig lade ich Sie herzlich ein zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen unserer Pfarrgemeinde, über die Sie dieser Pfarrbrief informieren möchte.

Ihr

Pfr. Thomas Witzel

Beitrag vom 19. Februar 2019

Vorwort Monat März

Liebe Gemeinde!
40 Tage dauert die am Aschermittwoch beginnende Fastenzeit. Das kommt nicht von ungefähr. 40 Tage fastete Jesus in der Wüste, bevor er öffentlich auftrat. 40 Tage lief der Prophet Elia zum Gottesberg Horeb. 40 Jahre lang zog das Volk Israel nach seinem Auszug aus Ägypten durch die Wüste, bevor es in das verheißene Land einziehen konnte. Immer wieder diese Zahl 40. Und das sind nur ein paar Beispiele.
Denn 40 Tage regnete es während der Sintflut. 40 Tage sollte es dauern, bis die Stadt Ninive zerstört wird. So verkündete es der Prophet Jona. Und 40 Tage liegen zwischen Ostern und Christi Himmelfahrt.
Manchmal steht am Beginn der vierzigtägigen oder vierzigjährigen Zeit ein einschneidendes, beglückendes Erlebnis. Die 40 Tage bei Elia beginnen jedoch in einer Krise, nämlich mit dem Wunsch des Propheten zu sterben. Nach den 40 Tagen oder Jahren ist auch nicht alles gleich gut. Die 40 Jahre des Zuges in das verheißene Land waren für das Volk Israel kein Sonntagsspaziergang. Nein, es ist nicht alles gut, sondern es ist anders.
Immer die Zahl 40. Doch woher kommt sie?
Als die verzehnfachte Vier repräsentierte diese Zahl die Vollkommenheit. Der Ursprung des 40-Tage-Rhythmus lässt sich in Babylonien suchen, wo eine Verbindung des vierzigtägigen Verschwindens des Sternbildes der Plejaden hinter der Sonne mit Regen, Unwetter und Gefahren beobachtet wurde.
Es gibt aber auch eine andere, eine schönere Deutung: 40 Wochen dauert eine Schwangerschaft bei einem Menschen. Diese Deutung passt – so finde ich – sehr schön zur vierzigtägigen Fastenzeit. Der alte lateinische Name des Sonntags nach Ostern, des Weißen Sonntags, hat diesen Zusammenhang bewahrt. Er heißt Sonntag „Quasimodogeniti“. Dieser Name leitet sich vom Beginn der früheren lateinischen Antiphon ab: „Quasi modo geniti infantes“. Auf Deutsch: Wie die neugeborenen Kindlein. Man kann also sagen: 40 Tage Fastenzeit, um an Ostern neu geboren zu werden. Darum geht es.
Aber noch etwas ist von Bedeutung: Das Kind in der Schwangerschaft wird getragen, wird versorgt, ist geborgen.
Das bedeutet: Es geht in der Fastenzeit nicht darum, Großartiges zu leisten und Fastenrekorde aufzustellen, sondern darum, sich Gott anzuvertrauen, sich von ihm tragen und leiten zu lassen.
Wie das geht? Indem ich zunächst Zeit für Gott finde – im Gebet, im Lesen in der Heiligen Schrift, im Gottesdienst. Indem ich versuche, mich darin einzuüben, ihm meine Anliegen und Sorgen anzuvertrauen, um selber leichter zu werden.
Ist danach alles gut? Nein, aber es ist anders, und – und darauf kommt es an – ich bin anders. Wie Elia nach den 40 Tagen Wanderung in der Wüste zum Gottesberg Horeb, wie Jesus nach den 40 Tagen in der Wüste. So bin ich dann ein anderer Mensch; einer, der sein Leben Gott anvertraut.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Pfr. Thomas Witzel

Beitrag vom 14. Dezember 2018

Vorwort Weihnachten 2018

Liebe Gemeinde!
Liebe Leserinnen und Leser dieses Weihnachtspfarrbriefes!
Ein bisschen muss man ihn suchen, den Bildmittelpunkt, den Mittelpunkt des Ereignisses auf der Titelseite dieses Pfarrbriefes. Die überlangen Figuren in ihren farbenfrohen Gewändern, die kantigen Felsformationen, die Felsen und der auffällige Stall lassen das Kind von Betlehem fast nebensächlich erscheinen.
Es ist ein frommes Bildnis, diese Darstellung der Geburt Christi, die der Malermönch Piero di Giovanni, genannt Lorenzo Monaco (1365/1371-1422) geschaffen hat. Der Florentiner malte es als Mitteltafel eines Altarbildes zur Krönung Mariens. Sein Werk ent-spricht dem Blickwinkel eines tiefgläubigen Menschen seiner Zeit. Es überhöht die Szene ins göttliche Gold. Die Geburt Christi geschieht jenseits des menschlichen Fassungsvermögens.
In der heutigen Zeit hat längst ein Perspektivenwechsel stattgefunden. Ausgangspunkt in der Betrachtung des Weihnachtsgeschehens ist auch in der Kunst nicht mehr das menschliche Unvermögen und die Distanz zum Göttlichen. Nein, der Blick richtet sich auf Gott, der einer von uns geworden ist. Unzählige Varianten von Krippen und moderne Darstellungen des Geschehens von Betlehem belegen das.
Menschwerdung: diese Einheit von göttlich und menschlich, die an Weihnachten sichtbar wird, ist nicht nur bezogen auf die Person Jesu von Nazaret. Sie gilt vielmehr für alle Menschen. Alle Menschen haben Anteil am Göttlichen. Welche Wertschätzung des Menschen!
Ich wünsche Ihnen schon jetzt ein frohes, gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest, einen guten Beschluss des alten Jahres, Gottes Segen und Geleit im neuen Jahr und lade Sie herzlich ein zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen unserer Pfarrgemeinde.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr

Pfarrer Thomas Witzel

Foto: Archiv

Beitrag vom 24. November 2018

Vorwort Dezember 2018

Liebe Gemeinde! Liebe Leserinnen und Leser dieses Pfarrbriefes!
Viele Menschen wünschen sich eine besinnliche Adventszeit. Ruhe und Beschaulichkeit gelten geradezu als die Merkmale eines „gelungenen“ Advents. Zugleich machen viele Menschen eine grundlegend andere, eine genau gegenteilige Erfahrung in diesen Wochen. So vieles ist noch zu erledigen – im Beruf die abschließenden Arbeiten des zu Ende gehenden Jahres; im Privaten die zahlreichen Vorbereitungen für das Weihnachtsfest. Auch der Terminkalender ist spürbar voller als in den anderen Monaten des Jahres. Da macht sich die Enttäuschung breit, es wieder einmal nicht mit der Ruhe geschafft zu haben.
Schaue ich in die Texte der Bibel, die für die Wochen des Advents vorgesehen sind, so sehe ich: Da ist nirgends von Ruhe und Besinnlichkeit die Rede. Im Gegenteil – egal, ob beim Propheten Jesaja oder bei Johannes dem Täufer: viel lese ich von Aufbruch, von zu gehenden Wegen, von Wegbereitung. Gott selbst ist in Bewegung: er kommt zur Erde, er wird Mensch in Jesus Christus und wird am Ende der Zeiten wiederkommen. Advent heißt schließlich „Ankunft“.
Ich denke, wichtig ist dies: Das Kind von Betlehem, das Sie auf der Titelseite dieses Pfarrbriefes abgebildet sehen, lädt alle Menschen ein und schließt niemanden aus. Bei ihm sind alle willkommen: die Besinnlichen und die Gestressten, die mit sich Unzufriedenen und die Unfertigen. Gott kommt in diese Welt, wohl wissend, dass ich mit der Arbeit nicht fertig bin, dass ich wenig Zeit habe. Dem im Stall zu Betlehem Geborenen ist Perfektionismus fremd. Also müssen auch mein Advent und mein Weihnachten nicht perfekt sein. So wie ich bin, bin ich an der Krippe willkommen und darf dort zur Ruhe kommen.

Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen
Ihr
Pfr. Thomas Witzel

Foto: H.Röder